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Silvester 2011. – Der Businessandroid von DWR hat diese Überschrift einundzwanzig kolorierten deutschen Printmedien angeboten, aber niemand außer uns selbst hatte mal wieder das nötige Hintergrundwissen, um uns zu verstehen. Statt Schampus, Schlampen und Schlampampen gibt‘s deshalb heute nur Bananenmilchshake an Fellpantoffeln. Dieses Jahr – es war ein hartes, wir alle wissen es, weil wir es gelesen haben – zelebrieren wir Silvester (nicht mit y wie der gleichnamige SS-Brigadeführer) mal nicht als wodkabetankten Hirnzellengroßbrand in Hongkong oder quasi sechs Fuß Unter den Linden, sondern: mit kaltem Licht und trockenen Daten in den Hallen der DWR-Redaktion, mit Blick auf Beteigeuze. Die Schreie der Genossen, in den Draht der Dialektik eingeschnürt, streitend um Konkretisierungen der Utopie, sind für heute verhallt. Keine Kalaschnikowsalven (M-M-M-Monster Kill!!) zerreißen mehr die Luft. Fast alle sind sie bei ihren Haustieren, also zuhause, und ersäufen die Erkenntnis einer Welt aus Widersprüchen in epileptogenen Filmen. Nur mich, Sandro, und meine beiden Rottweiler Hannibal und Drago, die sich großherzig einen Sozialdemokraten teilen, hält es noch in diesen weißen Räumen, um, nüchtern wie ein Knochen, unter der Ahnengalerie verklärter Kämpfer – Charles Marx, Seamus Joyce, Lucifer & Chaplin – einmal mehr eine Elitetruppe bestgedrillter Bits in den Dschungel der Verblendung zu entsenden!
Um das zu leisten, ist freilich eine überäffische Zusammenballung von Hirnelektrik vönnöten, die man nur durch zielscheibigstes Konzentrieren auf das innerste infinitesimale Zentrum des eignen Geisteskreises erreichen kann. Erst wenn nach einer gewissen Dauer in der alltäglichen Umwölkung unseres Cortex eine entsprechend spannungsreiche neurologisch-semiotische Aufladung zusammensublimiert ist, entlädt sich ein Elektrometeor des Sprachvermögens in einem Sekundenbruchteil, zugleich jedoch im zugehörigen Gehirn den subjektiven Eindruck völliger Zeitlosigkeit verursachend, so dass es sich für den Betroffenen ebenso um eine Hundertstelsekunde wie um die Ewigkeit selbst handeln könnte, hätte handeln können, wird handeln können beziehungsweise wird handeln können haben. Früher, als Männer noch von Hand zu schlachten wussten und die Kirchen in Germanien noch voller als die Mägen waren, fehlten uns durchaus noch die Begriffe für diesen Vorgang, den man damals schlicht als „Geistesblitz“ bezeichnet hätte. Heute aber haben wir sie: die Begriffe. Und täglich, nein stündlich werden es mehr. Und mehr. Und mehr. Und immer mehr Begriffe. Und noch mehr Begriffe. Und die Begriffe werden durch neue Begriffe geordnet und verknüpft, wodurch übergeordnete und verknüpfende Begriffe entstehen und so immer weiter. Und immer so. Und immer so immer weiter so. Wir wissen nicht, wie lange und bis zu welchem Punkt wir uns mit allem dem verflechten und verordnen lassen, aber wir wollen das auch gar nicht wissen, weil uns beziehungsweise mich diese unendliche Spiegelperspektive nämlich nur ablenkt von der jetzt geforderten hirnelektrischen Aufladungsmeditation. Daher jetzt – endlich – für eine gewisse Dauer – taktische Stille!

… … – Eine Kakerlake!, womöglich eine Blattela germanica, schleift ihr Exoskelett aus Polysaccharid über den Polyvinylchloridfußboden: ein Geräusch, so schwach und traurig, dass keine fühlende Seele davon unberührt bleiben kann. Ein Geistesblitz in Gegenwart solch kleiner Lebenwesen wäre gewalttätig und ordinär. Ebensowenig kann man im Plauderstil – für den man keinen Geistesblitz nötig hat, ja meist nicht einmal einen Geist – zum Thema Weltuntergang übergehen, während ein trauriges Tierchen das Zimmer kreuzt. Das wäre Kitsch. Ein Mangel an Kontrasten, an Gegensätzen, aus denen ja leider nicht nur die Welt besteht, sondern, Satan sei Dank, auch Kunst und Wahrheit. Das muss wahrscheinlich erklärt werden – da! … Zehn stählerne Schläge an die Tür! Das muss Nowosokol-Nicky sein, Alchymist und Hanfbauer.

Surren des elektrischen Türöffners, Ausrasten des Schlosses, schlurfende Schritte, Kettenrasseln und Bestiengebell.
SANDRO: Ruhig, Hannibal, Drago! Gut Freund!
NICKY: Ein Tier! Zwei! Seit wann habt ihr denn Tiere hier?
SANDRO: Was soll das heißen! Weißt du denn nicht, dass WIR zur Unterordnung der Trockennasenaffen gehören? Die Grenze zwischen Mensch und Tier ist imaginär, mein Freund, nichts als Halbaffenhochstapelei.
NICKY (setzt sich): Darauf muss ich erstmal einen rauchen…
SANDRO (wühlt unbeeindruckt in hohen Papierstapeln, aus denen hier und da ein einzelnes Blatt davonsegelt, das mit Zahlenkolonnen, Graphen, Statistiken und Preistabellen übersät ist)
NICKY: Was machst du da?
SANDRO: Marxismus.
Langes Schweigen.
NICKY: Ist schwierig, hm?
SANDRO: Quantentheorie ist ein zweiteiliges Puzzle dagegen.
Noch längeres Schweigen.
NICKY: Und? Wann kommt der große Crash?
SANDRO: Sag’s dir morgen. Der Akku meiner Kristallkugel ist gerade leer.
NICKY (grunzt)
Rauchwolken breiten sich um Nicky aus und verdecken erst sein stoisches Gesicht, dann seinen Poncho und zuletzt seine Sandalen von Doc Martens. Leises Husten dringt aus dem Qualm, schließlich Schnarchen.
SANDRO (dreht sich verstohlen zu seinem Gast um, lässt dann die Papiere links liegen, fährt den Rechner hoch, reibt sich die Hände und spielt acht Stunden ‚Counter Strike‘. Im Verlauf der ersten halben Stunde wird auch er vollständig eingenebelt. Nach sieben Stunden wiederkehrenden Röchelns aus dem völlig zugequalmten Redaktionsraum, der nur noch durch zuckendes Monitorlicht erhellt und von regelmäßigen enthusiatischen Ausrufen einer Kunststimme wie ‚Multikill‘, ‚Megakill‘, ‚Ultrakill‘ etc. beschallt wird. Endlich macht er den Computer aus, und es wird dunkel.)
SANDRO: Nicky? Nicky steh auf, es ist Zeit für den Umbruch!
NICKY (röchelt)
SANDRO: Hast du dich wieder an deinen Wursthaaren verschluckt, oder was is los? Steh auf, es ist Neujahr, die Menschen sind berauscht vom nahenden Glück der Neuen Zeit!
NICKY (röchelt ganz erbärmlich)
SANDRO: Arm und Böse, Gut und Reich umarmen sich und was nur einen Rücken hat liegt vögelnd in der Gasse! Also Hosen runter und auf ins Licht!!
NICKY (stirbt)
Pause. Sandro vergewissert sich des Ausbleibens der Lebensfunktionen seines tapferen Genossen, indem er eine warme Prise besten Hanfharzes unter seiner Nase zerreibt. Keine Regung. Sandro nimmt Haltung an und beginnt die Internationale zu summen. So verstreichen siebzehn sehr berührende Minuten. Stille.
SANDRO (flüstert): Do thìr, buanaiche!
NICKY (regt sich auf diese Worte hin: bleich und schattig wankt er in einer quälend langwierigen Prozedur aus dem Rauch.)
SANDRO (verblüfft): Ich habe ihn erweckt! Gelobt sei O’Nolan!
NICKY (röchelt)
SANDRO (mustert ihn): Ich sag’s ungern, Nicky, aber du bist ein Zombie und damit für den Kommunismus unbrauchbar geworden.
NICKY (mustert sich, röchelt)
SANDRO: Kannst du denn wenigstens sprechen, dass wir dich vielleicht in eine pädagogisch wegweisende Umerziehungsherberge…
NICKY (röchelnd): Glaub – schön –
SANDRO: Passt.
Schweigen. Sie tauschen verlegene Blicke, wobei Nickys Blicke sehr dämlich und Sandros Blicke etwas ängstlich wirken.
SANDRO: Ja, ja… bist du also ein Zombie jetzt… hehe… sieht man auch nicht alle Tage…
NICKY (schweigt)
SANDRO: Hast du Hunger?
NICKY: Öhm – nöö –
SANDRO: Du kannst einen Rottweiler haben… Gärtnerinart.
NICKY (scheint zu überlegen): Nääää –
SANDRO: Tja… Dann werd ich jetzt mal hier weitermachen. Marxismus, du erinnerst dich. (grinsend, wie mit einem Kind) Es geht ums Ganze und so weiter. Immer noch. Hehe. Ich schreibe nämlich gerade an einem Text, der eigentlich schon gestern hätte fertig geworden sein sollen können… Ja. (Pause.) Ja, ja…
Pause.
NICKY: Worum – göhts – ? –
SANDRO: Was? Ach so! Och. Ums All, um Alles, um dich auch. Um das neue Jahr. Um Wahrheit, Wollust und Weltuntergang.
NICKY (röchelt)
SANDRO (geht einige Schritte rückwärts, dreht sich dann vorsichtig von seinem untoten Freund weg und knipst das Licht an. Er zieht einen Papierstapel zu sich heran und beginnt zu blättern. Nach fünf Minuten lehnt er sich zurück und zieht eine Zigarre hervor. Er schwenkt im Chefsessel zu Nicky herum und hebt sein kostbares Rauchwerk in die Höhe:) Handgerollt von texanischen Hausfrauen!
NICKY (röchelt anerkennend)
SANDRO (dreht sich um, blättert, schreibt:)

Die Apokalypse geht jeden an. Selbst Tote (vgl. dazu die bestechenden Syllogismen, würdig eines Osterhasen, in Paulchens Brief an die Korinther 15,12-21. In demselben Brief – von dem man inzwischen weiß, dass die Korinther ihn gar nicht geöffnet haben – findet man übrigens eine klare Rechtfertigung, so unzweideutig wie eine Wirbelsäulenfraktur, der Diktatur des Proletariats als Übergang zum Kommunismus. Jessas, so lesen wir in 15,24f., wird im großen Finale „alle Herrschaft und alle Obrigkeit und Gewalt aufheben“. Potzteufel! Schlechte Nachrichten für den Katholizismus! Und weiter: „Er muss aber herrschen, bis dass er alle seine Feinde unter seine Füße lege.“ Also erst die Moral, dann das Bankett. Oder etwas handfester formuliert: zuerst muss gekocht werden – also gerupft, geklopft, gehackt, geraspelt – und dann wird gegessen. Приятного аппетита!).
Der Weltuntergang ist dermaßen inter- und transsubjektiv, dass selbst Leute, die unsere Gesellschaft so weit vorangebracht haben, dass sie im Exil hundertzimmriger Familienfestungen der Astronomie frönen können, noch von ihm betroffen wären. Man könnte also sagen, dass der Welt-Untergang einen deutlichen Gerechtigkeitzuwachs gegenüber der Welt bedeuten würde. Wie ja auch der ‚König dieser Welt‘ (wie es beim dichtenden Lohnkäser Fankhauser heißt) Jedermann und Jedefrau hinwegweht wie ein Wind eine Luft auf Beinen. Wir wollen damit freilich nicht sagen, dass Nicht-Welt der Welt vorzuziehen wäre; zumal es ohne Welt ja gar keine Nicht-Welt geben könnte: irgendwer muss schließlich da sein, der den ganzen Quark an die Wand klatscht – und die Wand muss auch da sein… Gerechtigkeit im Tod oder danach ist nicht im Sinne von Lebewesen irgendwelcher Art, nicht einmal im Sinne von Trockennasenaffen, selbst wenn diese das als einzige denken.

NICKY (der sich still über Sandros Schulter gebeugt und mitgelesen hat, röchelt protestierend, bleibt aber weiterhin unbemerkt)

Gerechtigkeit ohne ein Leben danach heißt Todesstrafe, und die gehört, wie jede Art höchstrichterlicher Moralbuchführung, in jene düsteren Zeiten, die noch immer andauern – aber nicht in diesen Text. (Dieser Text gehört einer anderen Zeit, nein besser gesagt: nicht nur seiner Zeit an. Das ist Quatsch? Nein, das ist Literatur. Literatur ist Quatsch? Einverstanden, sofern das Gegenteil von Quatsch die Wirklichkeit sein soll.) Wir sind nicht Paulus, bei uns zuhause ist das Leben mit dem Tod zuende, basta!

NICKY (krächzt): Jetzt reichts öber!
SANDRO (fährt erschrocken herum): Was, dich gibt’s immer noch?
NICKY: Beim Lözarus! Öch bin vielleicht töt, aber ös gibt möch immer nöch.
SANDRO: Sowas gibt’s doch gar nicht! Hör endlich auf mit dieser Realitätsvergewaltigung!
NICKY: Ach nöö! Aber in deinem Gedöcht hier herumschwadrönieren, dass Literötur das Gegenteil von Realitöt is, hö? Und jetzt möchst hier den exekutiven Realitötsbeamten.
SANDRO: Ja und? Literatur braucht man genau deshalb, weil die Realität so ist wie sie ist. Um Literatur schätzen zu können, muss man folglich erst einmal wissen, wie die Realität ist, muss man sie erst einmal bereits sein wirklich wahrzunehmen. Und dann kommst du daher und meinst allen Ernstes, es wäre real, nach dem Erbleichen aufzustehen und blöd herumzudebattieren? Auf so eine Idee kann auch nur ein Hirntoter kommen!
NICKY: Öch bin nicht töt!
SANDRO: Du widersprichst dir.
NICKY: Meinetwögen bin öch vielleicht töt. Öber wirklich bin öch auch. Cögitö ergö sum.
SANDRO: Bitte nicht die Wirklichkeit mit Zitaten belegen! Das hier ist jetzt kein Text, das ist das Leben. Das ist die Wirklichkeit. Hier gelten andere Regeln.
NICKY: Und welche Regeln gelten ön dösem Föll, hm?
SANDRO: Ganz einfach: in der Wirklichkeit erstehen keine Toten auf. Paulus ist Literatur. Ich bin keine!
NICKY: Und öch?
SANDRO (überlegt)
NICKY: Öhö, öhö! Da föngt’s nömlich schön an! Möch kannst du schön nicht erklören.
SANDRO: Du bist Literatur. Wenn du keine wärst, würdest du jetzt nicht mit mir sprechen. Tote sprechen nicht. Tote, die sprechen, sind Literatur.
NICKY: Öch bin also önwörklich?
SANDRO: Wie bitte?
NICKY: Önwörklich?
SANDRO: Sag mal, redest du jetzt mit Röck Döts, oder was? Ja, du bist unwirklich – wenn du‘s schon wissen willst.
NICKY (ereifert sich): Öhö. Und die Utöpie und dös gönze mörxistische Gefösel? Auch ölles önwörklich! Realitötsvergewöltigung, hö? Revölutiön, hö? Alles abgöschafft, weil önwörklich, hö?
SANDRO: Was redest du da? (mit großen Gesten unruhig im Zimmer auf- und abwandernd) Der Marxismus ist ein theoretischer und geschichtlicher Prozess auf wissenschaftlichen Grundlagen. Jedes Körnchen Argumentation wird durch die siebenfach verwinkelten Mühlen der Dialektik gedreht, empirisch geerntet, ideologisch gereinigt, historisch benetzt, selbstreflexiv gelagert, durch die Begriffe gewalzt, logisch ausgesiebt und stilistisch gebacken sozusagen. Diese Methode lässt sich auf Wirtschaftskrisen ebenso anwenden wie auf Lebenskrisen, Gott, Zombies, Rottweiler und Penicilin. Kriege, Pantoffeln, Elfenbein, Elektroschocks, Astrologie, Dürre, Poker, Medien, Analverkehr, Steuern, Beichte, Babynahrung, Glück, Gehorsam, Anabolika! Die Dialektik erst nimmt Philosophie ernst. Philosophie ist ‚Liebe zur Weisheit‘. Die Dialektik aber ist die Verbindung von Liebe und Weisheit, der Zusammenhang von Wahrheit und Leben. Sie ist weder Religion noch Wissenschaft, denn sie teilt nicht beider Schwächen. Sie ist die Lehre von den Möglichkeiten der Menschheit. Und bevor die Welt endet, ist es geboten, diese Möglichkeiten zu nutzen – anstatt sie im Namen des Nutzens zu zerstören. Die Dialektik ist eine Lebens-Haltung: sie ist die einzige aufrechte Haltung, die sich aufrechterhalten lässt. Ich würde zwar nicht so weit gehen zu sagen: Der Marxismus ist die Wahrheit. Aber ich sage: jede Wahrheit ist marxistisch. Jede Wahrheit ist materialistisch und dialektisch. Die Dialektik ist überhaupt nur der innere Zusammenhang der Wahrheit. Die Flüsse sind der Verstand, das Meer ist die Vernunft, die Wolken sind die Phantasie: dann ist die Dialektik das Wasser. Wenn jede Tatsache ein Steinchen ist, dann ist Dialektik die Geologie. Wenn jeder wahre Satz eine Zahl ist, dann ist Dialektik die Mathematik. Wenn jede Vorstellung ein Stern ist, dann ist Dialektik die Astronomie. Sie ist eine Weltlehre, in der sich nicht nur die Welt spiegelt, sondern der Spiegel, der sie spiegelt, gleich noch mit. – Das geht nicht? Das ist Quatsch? Nein. Das ist Literatur!
Pause.
NICKY (holt Luft): Und der Töd? Hö? Der Töd? Wö kömmt der vor in der Dialöktik? Und was nach dem Töd kömmt?
SANDRO: Was soll denn da noch kömmen nach dem Tod?
NICKY (außer Atem): Na öch! Öch!
SANDRO (versteht nicht): Kannst du das auch ohne Umlaut sagen?
NICKY (schlägt sich mit der Hand an die Brust): Öch!
SANDRO: Ach du! (überlegt) Dich erkläre ich hiermit als nicht existent. Deine Existenz wäre ein Widerspruch zu den wissenschaftlichen Grundlagen des Marxismus und ist daher weder möglich noch notwendig. Deine Existenz ist ein ganz undialektischer Widerspruch. Sie kann nur ein Scheinwiderspruch zur Wissenschaft sein, und zwar weil sie eine scheinbare Existenz ist. Wie schon gesagt, du bist Literatur! Amen.
NICKY: Aber öben hast du döch nöch gesagt, dass die Dialektik auch Löteratur ist! Öbwöhl sie auch ö… wissenschöftlich is.
SANDRO: Hab ich das? (stirnrunzelnd) Da hast du gut aufgepasst… Das war aber ganz anders gemeint. Das war nur metaphorisch natürlich.
NICKY (resigniert): Ach sö.
SANDRO: Ja.
NICKY: Und die Utöpie? Wör dö nicht nöch ein kleines Plötzchen für mich öbrig?
SANDRO (seufzt): Schön wär‘s, mein Guter. Aber der Sieg gegen den Tod steht nicht auf der materialistischen Agenda. Wenn Utopie heißen würde, dass die Toten auferstehen, dann würde Marx Paulus heißen.
NICKY: Schöde.
SANDRO: Ja. Kann man leider nichts machen gegen den Tod, was? (zieht zwei dicke Zigarren hervor) Lust auf Qualm?
NICKY (ermuntert): Aber klör! Ömmer!

 

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