Die Vereinseitigung einer Weltordnung, die alle Dinge im Hinblick auf Angebot und Nachfrage interpretiert, bringt notwendigerweise vielfältige Mängel hervor. So bewirkt die globale Homogenisierung von Räumen, Waren, Konsumenten und Bedürfnissen etwa einen Mangel an Individualität und Regionalität, den eine marktrelevante Anzahl Menschen verspüren und äußern. Darauf wird wiederum dieser Mangel als Nachfrage erkannt, die gewinnträchtig zu bedienen ein neuartiges Angebot entsteht. Obwohl ihrerseits längst ebenso globalisiert wie ihre Kunden spielen beispielshalber an vielerlei Orten der Erde autochthone Gruppen ihren touristischen Besuchern das Theater ihrer längst nicht mehr integrationskräftigen Traditionen vor, um vom davon verdienten Geld ihrerseits ein ungestilltes Bedürfnis, vielleicht das nach mobiler Urbanität, zu stillen zu versuchen. Denn wo immer im Kapitalismus immaterielle, etwa emotionale, psychische oder religiöse Mängel entstehen und, wie Rohstoffe der Illusionsproduktion, entdeckt werden, dienen sie bald nur als Nachfrage für diese Illusionen der Fülle. Trugbilder sind es aber notwendigerweise insofern als die Mängel, welche sie besänftigen sollen, gerade durch die Ökonomisierung aller Lebensräume, der inneren wie der äußeren, überhaupt erst geschaffen werden. Die Schädigungen aber, die durch die totalitäre Ökonomie an Menschheit und Menschlichkeit entstehen, können logischerweise nicht durch ein Wachstum dieser Ökonomie behoben oder gelindert werden. Dennoch muss freilich dies immer neu versucht werden, da langfristig das Versprechen, ebenjene kapitalistischen Krankheiten zu heilen der letzte Absatzmarkt des Kapitals vor seinem historischen Verschwinden darstellen wird.

 

 

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