Geben ist seliger als Nehmen – diese Hierarchie ist im Begriffspaar von ‚Arbeitgeber‘ und ‚Arbeitnehmer‘ konnotiert. Der Eigentümer ist seliger als seine Angestellten, denn er gibt ihnen Arbeit: er hat wohl zu viel davon, schenkt sie wohl gar. Der Angestellte nimmt die dargebotene Frucht, er reißt sie ihm aus der Hand, wenig großherzig, wie Tiere, von ihren Bedürfnissen geplagt, raffen die Überstündler die Arbeit, weil sie nicht genug davon bekommen können… Genau umgekehrt stimmten die Begriffe. Der Lohnabhängige bietet dem Unternehmen seine Arbeitskraft, seine Lebenszeit an, und zwar einen sehr erheblichen Teil davon, um dieses Leben, das er da vergibt, leben zu können, was bedeutet: den Rest davon. Der Unternehmer nimmt diese Arbeit an, weil sein Unternehmen sonst gleichfalls nicht bestehen könnte. Die angebotene Arbeitskraft wird durch seine Weisungen – die letztlich zu Gewinn führen müssen – zur verrichteten Arbeit. Ist also nicht beides richtig? Der „Arbeitgeber“ gibt und nimmt Arbeit und der Arbeiter ebenso? Es ist nicht nur beides richtig, sondern weniger. Denn der „Arbeitnehmer“ erwirtschaftet den Gewinn des Unternehmens, durch seine Arbeit und durch die an ihm eingesparten Kosten, während der „Arbeitgeber“ aus genau diesem Ertrag das Unternehmen erst führen, Zinsen zurückzahlen, eigene Einkünfte abziehen, den Lohn der „Arbeitnehmer“ als geringen Anteil ihres Erarbeiteten an diese zurück-„geben“ oder eben neue Arbeitsplätze „schaffen“ kann – auch das eine theologisch nachklingende Falschformulierung, in der aus der Macht des Eigentümers seine Leistung abgeleitet wird, aus einer Macht, die ihm erst von denen gegeben, geschaffen und geschenkt wird, an denen er sie dann vollstreckt.

 

Advertisements