Kürzlich, auf einer Zugfahrt von Berchtesgaden nach Bielefeld, sitzen zwei Occupy-Aktivisten hinter mir im Abteil und bilanzieren nach seiner Auflösung durch die Polizei ihre Zeit in jenem berühmten Frankfurter Protestcamp, das die Hedgefondsmanager unserer Galaxie erzittern ließ. Wie inzwischen schon sozialwissenschaftlich erforscht, nimmt der Optimismus in den jüngeren Generationen hierzulande ja proportional zur Komplexität der gesellschaftlichen Probleme zu, von denen sie betroffen sind. Ich wundere mich daher nicht über die in einem halben Dutzend Praktika und Coachings eingeübten Formulierungen, mit denen man auch Blähungen oder einen Mittagsschlaf zu einem „eindeutigen Entwicklungsereignis“ oder einer „unmittelbaren Erfahrung“ emporschwafeln kann. So ist denn auch die ganze gedanken- und ergebnislose Pfadfinderei vor den unbehelligten und unbegriffenen Banken am Main und überall sonst „schon eine superwichtige Sache“ gewesen, „die auf jeden Fall Türen geöffnet“ hat – von denen man vielleicht auch gar nicht sagen können muss, wohin sie einen führen. Türen sind ja spätestens seit den psychedelischen Sechzigern, die auch schon gerne gezeltet haben (Big Sur, gleich neben Thoreaus Behelfstoilette), an sich schonmal eine super Sache. Türen sind jedenfalls besser als Banken. Türen sind Bewegung. Und so weiter…

Anstatt mich hier dem Tod noch ein paar Stunden weiter zu nähern, indem ich die Thesen unbedachter Studierender, die mal auf den Putz hauen, aber nichts, vor allem nicht sich selber schmutzig machen wollten, rezensiere, tue ich lieber meine monatliche gute Tat und spare meinen LeserInnen gleichfalls Lebenszeit, indem ich die ganze Chose auf Anekdotengröße zurechtschrumpfe. Eine Anekdote aus der Frühzeit der Occupy-Bewegung sozusagen – et voilà:

 

Baron Jakob Rothschild kommt eben aus der Pariser Börse, als ihm ein Sozialist in den Weg tritt.

„Wenn der Sozialismus kommt“, meint der Mann, „wird man Sie enteignen und Ihr Vermögen an das Volk verteilen!“

Rothschild kramt in seiner Tasche. „Wir sind vierzig Millionen Franzosen“, erwidert er, zieht ein Geldstück hervor und gibt es dem Sozialisten: „Hier ist Ihr Franc.“

 

In diesem Sinne wünsche ich einen revolutionären Feierabend!

 

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