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Dead Wall Reveries steht für Bloggen mit menschlichem Antlitz. Bei uns wird Liebe großgeschrieben – zwar nur mit dem ersten Buchstaben, nicht wie KPdSU oder GULag, aber immerhin. Liebe, liebe Leser, empfinden wir in dieser besinnlichen Zeit für alle unsere Mitmenschen und Mitgeschöpfe, harte und weiche, braune und bleiche, gute und reiche, für unseren Nächsten und Übernächsten, für unsere Mitbürger und Mitstreiter, Mitspieler und Mitarbeiter, Mitwisser und Mittäter, Mitesser und Mitkläger, Mitdenker und Mitläufer, Mitversenker und Mitsäufer und vielen weiteren. Denn: es naht das Fest der Ochsen und Esel, und es gilt, aller Menschen zu gedenken, die nicht das Glück der hohen Geburt mit unserem Heiland teilen, die nicht schon an der Krippe von Weisen reich beschenkt werden, sondern des Sterns von Bethlehem, der diese dereinst leiten möge, ein langes Leben lang harren. Dieses Leben wird bedachtsam und bescheiden sein, selten sündhaft und sein Ende selig. Und dem Chef ein Wohlgefallen. Doch zuzeiten erscheint es allzu hart und mühsam, ungerecht womöglich, und es mögen Zweifel kommen, ob wir wirklich recht daran tun, was wir tun, wo es anscheinend so schlecht vergolten wird. Und wir mögen uns ängstlich oder gar zornig fragen, ob wir nicht anders hätten leben, uns anders unters Firmament hätten stellen sollen? Nicht bucklig wie ein Bauer, sondern lodernd wie eine Fackel – ja, so mag es bisweilen selbst aus den Braven sprechen.

In diesen kalten Momenten, in denen der Zorn die Nacht unserer Erdenfrist wie ein Blitz zerreißt und alles klar und gegensätzlich erscheint, in diesen schweren Stunden bedarf es lediglich – der Liebe, um uns zu besänftigen. Lediglich der Liebe, eines Lächelns, einer Umarmung, eines dreckigen Arschficks auf dem Bahnhofsklo, um uns daran zu gemahnen, was wir sind: Mitmenschen, Mitbürger und Mitarbeiter – harmlose, geile Kamuffel also, die sich nicht auf- und zusammenraffen können, das Bisschen Weltordnung umzumähen, das sie zu solchen Wichteln degradiert hat, sondern lieber verlegen in ihre Pflichtzellen zurückkehren, zu allergischen Bälgern und abgearbeiteten Mitinsassen mit Anti-Falten-Creme, Depressionen und Wurstfürzen, wenn es nur hin und wieder, nur EIN Mal alle dreißig Tage auch mal einen Fick, ein Lob, einen Lohn, ein Lächeln oder einen Blockbuster gibt! Ja, das ist die LIEBE! – Ist sie nicht zum Kotzen?!

Und für genau diese Liebe haben Herr und Chef ein Fest gemacht, ein Lohn-, Lob- und Lächelfest, zu dem alle Abgeschlafften und Angekotzten zwei freie Tage erhalten, um in Ruhe ihren Lohn für Kokolores zu verprassen, das ihnen ein Lächeln von Leuten einbringen soll, die sie sonst nicht einmal anfurzen würden, und ihnen durch allgegenwärtige Lichterketten und moralischen Budenzauber weismachen soll, dass selbst in ihrer abgeleierten Welt gerade etwas besonders Reizendes, Menschelndes und Liebevolles anstehe: Weihnachten also.

Wenn Scheiße nach Zimt duftet.

 

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Weihnachten bedeutet historisch gesehen, dass ein mittelloser Handwerker und seine Verlobte, die nach einem Seitensprung hochschwanger ist, nur mit Not der Obdachlosigkeit entkommen, um in einem kümmerlichen Heim auf ihren Plänen von familiärem Glück zu beharren und bei der Geburt ihres Sohnes überzeugt sind, trotz dieser wirtschaftlichen Katastrophe, die ein Kind nunmal bedeutet, den Beginn einer legendären Karriere mitzuerleben, die schließlich auch sie selbst unsterblich machen wird. Sie geben dem Kleinen einen exotischen Namen und bewirten ein paar ältere Herrschaften, die allerhand unnützes Zeug als Geschenke abliefern. Nur einer hat die gute Idee, Geld zu schenken statt selbstgepflückte Kräuter oder ähnlichen Schmarrn. (Diese Idee wird Schule machen.)

Das ist ganz knapp die Weihnachtsgeschichte – streng historisch, nicht theologisch. Und das reicht auch, um zu sehen, dass sich seitdem wenig geändert hat. Noch immer geht es um Illusionen und Geschenke, die sich Leute machen, denen das Kapital nicht aus dem Arsch leuchtet…

 

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Berufsrevolutionäre, klassenbewusste Proletarier und alle anderen Menschen, die nie ohne Brieföffner in der Socke ins Büro ihres Chefs treten, weil jederzeit die Revolution ausbrechen könnte, also jene aufrechten Leute, die 95,8% unserer Leserschaft ausmachen, boykottieren daher sehr zurecht das Weihnachtsfest und ziehen sich meist schon am Zweiundzwanzigsten mit einem schönen roten Band aus der Bücherei des Marxismus-Leninismus in leerstehende Ställe oder preiswerte Bordelle oder hinter stachelverdrahtete Wälle zurück, um zu fasten und studieren, während vor Verdauungsarbeit schwitzende Familienväter zusehen müssen, wie ihre missmutigen, an Pubertät erkrankten Sohnemänner die neuen BluRays, Games, Konsolen und Zombiespielzeuge aus dem Geschenkpapier reißen, die sie todsicher das Abitur kosten und so den Stammhalter ins digitale Lumpenproletariat hinabstoßen werden… (Von dort werden erst motivierende Facebookgruppen mit Namen wie Revolutionäre kriegen die geilsten Schnecken oder Fick die Welt so wie sie ist und werde krasser Kommunist! die Ärmsten wieder ans Licht führen.–)

Weil DWR zugleich ein Minderheitenblog ist, wollen wir heute auch an jene 4,2% der Leser denken, die aus Schwäche oder Zwang oder weil sie auf eine Erbschaft hoffen, den Heiligen Abend nicht boykottieren möchten und sich damit in die unangenehme Lage bringen, Leuten Geschenke zu machen, die man entweder zu selten sieht, um zu wissen, was man ihnen schenken könnte, oder zu häufig, um nicht darunter leiden zu müssen, wenn man ihnen wieder Mist geschenkt hat. Kurz: unsere folgende GROSSE KULTURREVOLUTIONÄRE DWR-GESCHENKBERATUNG wird euch Losern dabei helfen, erlesene Gaben für eure Anverwandten zu finden und zugleich euer demütigendes Geschenkemacher- und Lohnsklavendasein innerhalb der menschlichen Vorgeschichte zu verkürzen. Denn wie sagte nicht einst der zahnlose Mao: Das Geschenk eines Kommunisten ist immer ein Geschenk an die Geschichte.

 

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Für die dementen Großeltern, die gerne noch was Gedrucktes in Händen halten, aber daran gewohnt sind, dass sie nicht mehr so recht verstehen, was um sie herum abgeht, vor allem aber für narzisstische Musterschüler, dauerlabernde Prinzenkinder und klugscheißerische Geschwister, denen man die Demenz ins Hirn wünscht, empfiehlt DWR-Chefredakteur und Doktor der Scholastik Roland ‚Dee‘ Obermann:

Theodor W. Adorno: Minima Moralia.

Die Hitsammlung des bürgerlichsten deutschen Juden seit Freud und schlechtesten Komponisten vor Cage. Adorno hätte eigentlich Ladenschwengel werden sollen, entschied sich aber wegen einer unfallbedingten syntaktischen Behinderung dazu, es mit der Philosophie zu versuchen, die daher zum Großteil bei ihm aus Syntax besteht. Adorno soll seinen allabendlichen Grießpudding gewohnheitsmäßig auf dem ersten Band des Kapitals von Marx abgestellt haben, den Horkheimer bei ihm liegen ließ, was ihm in Studentenkreisen bald einen Ruf als Marxist einbrachte. In Kalifornien arbeitete Adorno eine Weile als Putzfrau von Thomas Mann, bevor er in Frankfurt Vorlesungen zur Metaphysik des ’sich‘ hielt und am plötzlichen Herztod verstarb, nachdem Ernst Bloch ihm die erste deutsche Ausgabe des Playboy gezeigt haben soll.

Ein Muss für alle, die jemanden kennen, der gerne liest und den sie hassen: Adorno zu lesen kann auch ein junges Gehirn binnen zweier Jahre frühverkalken lassen, ohne dass der Leser selbst es merkt. Effizienter als Crystal Meth! Und bei suhrkamp, dem Verblödungsgrossisten aus Frankfurt, fast genauso billig.

 

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Für sympathische junge Menschen, die ihr eigenes Leben noch vor sich hätten, wenn ihnen Mum und Dad nicht ständig reinreden würden, was sie damit gefälligst anzufangen hätten, für Schüler, die gemobbt werden, weil sie statt Hollister-T-Shirts lieber Uniformhemden der Roten Armee tragen, oder für Ehefrauen, die endlich mit dem kubanischen Masseur mit dem 20-Zentimeter-Kolben durchbrennen wollen statt die Domina für ihren Eberhard zu mimen, der, seit er Vizechef geworden ist, nur noch einen hochkriegt, wenn man ihn mit „Du kleine Drecksau hast wohl wieder ins Bett gepinkelt!?“ anbrüllt, die aber auch nicht auf die Lebensversicherung verzichten wollen, mit der man auf Kuba eine zehnköpfige Familie ernähren könnte, empfiehlt DWR-Sexpertin Frauke-Wilna Flickenschildt:

Wolfgang Dekant, Spiros Vamvakas: Toxikologie. Eine Einführung für Chemiker, Biologen und Pharmazeuten.

Ein Buch, bei dem man ins Träumen gerät. Doch, wie bei allen guten Büchern, die Revolutionäre lesen, geht hier das Träumen leicht ins Planen über. Auf das nächste Plansoll kann man gern mit seinem Göttergatten wieder ‚mal ein Sektchen leeren: „Heute mit Aphrodisiakum, mein Engel.“ „Hmmm…..“

 

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Sie waren jung und hatten kein Geld, um sich sterilisieren zu lassen, und da ist es passiert? Seitdem haben sie Kinder und wissen nicht, wohin mit denen? Glauben Sie uns, mit diesem Problem sind sie nicht allein. Wichtig ist, wie bei jeder Therapie, dass Sie zu dem Problem stehen und sich nicht weiter vorlügen, Sie hätten sich nie etwas sehnlicher gewünscht als den ganzen Tag idiotische Fragen zu beantworten („Warum hast du lange Haare und Mama nicht?“, „Warum hat Papa kein Auto wie der Papa von Katharina-Désiré-Luise?“, „Ist Hansi jetzt im Himmel?“) oder sich jede Woche über neue Berufspläne aufzuregen („Reggae-DJ in Berlin“, „Schauspielerin oder Archäologin“, „der erste rheinland-pfälzische Gangsterrapper“, „Pro-Youtuber“). Nein, was Sie dabei empfinden, ist keine elterliche Liebe! Also, lösen Sie die Probleme!

Kinder lieben das Abenteuer und kriechen gerne in abgelegene Schlupfwinkel. Tun Sie ihnen den Gefallen und bauen sie den lieben Kleinen einen eigenen Atomschutzbunker. Für pubertierende Suchtzocker können Sie diesen jederzeit als Hobbyraum einrichten lassen und mit neuen DVD’s eine Spur legen… DWR-Verseschmied und vierfacher Vater aus Versehen Brinus vom Schrock empfiehlt daher die Firma:

http://www.sturmhaus.com/de/

Ihr Partner für Räume, die vor radioaktiver Strahlung, brutalen Überfällen und anderen Unannehmlichkeiten schützen. Absolut ein- und ausbruchsicher. Das Päservativ für die Zeit nach der Geburt!

 

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Sie sind müde? Sie sind frustriert? Sie sind ein Mann? Sie haben längst erkannt, in welche Richtung die Welt sich dreht, nämlich in die falsche? Nur Sie und ein paar wackere Kollegen laufen noch in die richtige Richtung, während Ihr Chef, Ihre Frau, Ihre Kinder und sogar die Kanzlerin eine Scheiße nach der anderen bauen und dafür auch noch von einem lächerlich korrupten System beschützt und belohnt werden? Und Sie wissen: noch zwei, drei Jahre und Deutschland ist nicht mehr zu retten? Sie wissen es, weil sie es jeden Tag beobachten können? Deutschland und Europa, so ähnlich wie Sie selber, werden nur noch verarscht, ausgenommen und gedemütigt? Und das, obwohl Sie doch alles getan haben, was man von ihnen verlangt hat – und immer noch tun? Arbeiten Sie etwa nicht hart genug? Bezahlen Sie Ihre Rechnungen nicht pünktlich? Und ein Verbrechen haben Sie auch noch nie begangen? Das würden Sie nie tun? Nicht einmal einen Seitensprung? Sogar zu Ihrem Hund sind Sie nett? UND TROTZDEM BRINGT DAS ALLES EINFACH NICHTS UND SIE WÜSSTEN MAL GERNE, WIESO EIGENTLICH NICHT, VERDAMMT NOCHMAL???!

Dann gönnen Sie sich endlich etwas Lust und Lebenssinn! Bestellen Sie noch heute Ihr TROST-PAKET FÜR DEN GANZ NORMALEN DEUTSCHEN ARBEITNEHMER und freuen Sie sich auf:

 

1 Deutschlandflagge

1 Einstimm-CD „Patriotische Psalmen“, interpretiert von Xavier Naidoo, Heinz Rudolf Kunze, Helene Fischer, Sido, Bushido, Campino und Kevin Russell (im Duett)

1 Buchpaket mit den Titeln: „Wie die Politiker Deutschland ruinieren“, „Warum die Deutschen aussterben“, „Wie Börsenhaie uns abzocken“, „Nieten in Nadelstreifen“ und „Wie der Islam Europa unterwandert“

4 Autogrammkarten von Lutz Bachmann (PEGIDA-Gründer) Helmut Schmidt (Alt-Kanzler und Geist der Nation), Hans-Olaf Henkel (Demenzbeauftragter der AfD), Matthias Matussek (Journalist und Sünder)

1 Sixpack Münchner Hell

1 Monatsabo der BILD

1 Aufkleber ‚Nie wieder Lügenpresse!‘ für den Briefkasten

1 Button mit Gartenzwerg, der an ein Minarett pinkelt

 

Sie würden zwar alle Fragen oben mit „Jawoll!“ beantworten, fühlen sich aber von Leuten wie Lutz Bachmann oder Matthias Matussek abgestoßen? Kurz: Sie sind ein Linker? Da brauchen Sie sich gar nicht zu schämen. Denn für Linke haben wir das TROST-PAKET FÜR GANZ NORMALE LINKE ARBEITNEHMER im Angebot, natürlich mit wesentlichen Änderungen am Inhalt:

! Statt BILD erhalten Sie das ‚Neue Deutschland‘.

! Statt der Autogrammkarten von Herrn Bachmann und Herrn Henkel erhalten Sie Autogrammkarten von Sarah Wagenknecht (nationale Sozialistin) und Cem Özdemir (offizieller Quotentürke des Deutschen Bundestages).

Immer noch nicht zufrieden? Sie finden Recht und Linke beide scheiße? Sie finden sogar Deutschland scheiße? Das dachten wir uns schon. Wie wäre es mit dem TROST-PAKET FÜR GANZ NORMALE KLUGSCHEISSER? Dieses Paket ist leider etwas schlechter gefüllt und enthält nur die folgenden Gimmicks:

 

1 US-Flagge

1 CD „Best of Klezmer“

1 Buchpaket mit den Titeln „Wie die Politiker Deutschland ruinieren“, „Warum die Deutschen aussterben sollten“, „Wie werde ich Börsenhai?“ und „Wie der Islam Europa unterwandert“

2 Autogrammkarten von Henryk M. Broder (Verständniskritiker) und Martin Sonneborn (Anti-Politiker)

1 Flasche Beaujolais

1 Jahresabo der KONKRET

1 Aufkleber ‚Nie wieder Deutschland!‘

1 Button mit Gartenzwerg, der an einen anderen Gartenzwerg pinkelt

 

Die genannten Artikel bestellen Sie gefälligst bei Ebay und schenken Sie sich selber.

Viel Spaß damit & frohes Fest!

 

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