Die aktuelle Leipziger „Mitte“-Studie bestätigt, was alle wissen: Deutschland wird rechter und radikaler. Die FAZ erwähnt auch folgende Aspekte:

„So stieg die Prozentzahl derjenigen, die glauben, dass Sinti und Roma zur Kriminalität neigen, von 44,2 auf 58,5 Prozent an. […] Die Prozentzahl derjenigen, die Homosexualität für unmoralisch halten, ist von 15,7 auf 24,8 Prozent gestiegen.“

Diese Zahlen können kaum als Reaktion besorgter Bürger auf islamistische Anschläge, Domplattengrabschereien und Flüchtlingsbewältigung gelesen werden. Sie belegen ganz einfach einen Rechtsruck und eine Entliberalisierung, die eben nicht auf reale Problemlagen reagieren, sondern als irrationale politische Strömung aus einer Arbeits- und Armutsdemokratie resultieren, in der das Kreuzchen bei Einerleiparteien das einzige Mittel minimierter Teilhabe des Einzelnen und die Erhöhung des eigenen Normaloelends in die Nation der einzig verbliebene gesellschaftliche ‚Trost‘ ist.

Minderheiten zu hassen – egal, ob Moslems, Roma oder Schwule – entspringt keiner wie auch immer gerechtfertigten oder ungerechtfertigten Angst vor Angehörigen dieser Minderheiten, sondern schlicht dem Bedürfnis, sich enger in die wärmende Mehrheitsgemeinschaft einzuschmiegen, die dann nach Belieben „Volk“, „Deutschland“, „der Westen“ oder „Europa“ heißt. Zugehörigkeit entsteht durch Abgrenzung und Bruderschaft durch Hass. Kollektive Euphorien wurden schon immer durch Grausamkeit erkauft. Aber sie bereiten den innerlich wie äußerlich verelendeten bürgerlichen Individuen wieder eine große mütterliche Gemeinschaft, eine zweckfreie Geborgenheit, in der nicht mehr gedacht, sondern nur noch geschrien oder geblutet wird. Die einzelne und allgemeine Regression in die Gebärmutter des Einen und Volkes: wie damals bei den Teutonen, als die Welt noch in Ordung war…

Rückschritt macht eben mehr Spaß als Fortschritt. Jedenfalls der einen Seite. Jedenfalls am Anfang.

 

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